Beamer oder Leinwand?! Wir zeigen Dir das Sinnvollste Heimkino Upgrade in 2022!

Fast jeder Besitzer eines eigenen Heimkinos gibt es nicht mehr freiwillig her, zu „groß“ ist im wahrsten Sinne des Wortes der Spaß mit dem Großbild daheim. Egal ob Filme, Serien, Sport oder Spiel, alles wirkt viel intensiver und zieht den Zuschauer viel mehr in den Bann, als ein herkömmlicher „kleiner“ TV. Besonders beliebt sind Heimkinos im Wohnzimmer, da man hier in besonders gemütlicher Atmosphäre zusammen mit der ganzen Familie in die Großbildwelt eintauchen kann.

Doch wie üblich in der Unterhaltungselektronik sind die Hersteller stets bemüht, die Qualität ihrer Produkte zu verbessern und so den Kunden dazu zu bewegen, Komponenten seiner Ausrüstung daheim durch neue zu ersetzen, um die Qualität des Heimkinos auf ein neues Level zu heben. Besonders bei TVs und Beamern sind die Entwicklungen so weitreichend, wie zuvor in Jahrzehnten nicht: UHD Auflösung, HDR, DCI, HDMI 2.1 etc. etc… jedes Jahr bringt Neuerungen.

Jeder, der die Qualität durch ein Heimkino Upgrade steigern will, spielt folgerichtig schnell mit dem Gedanken, den Beamer durch eine neueste Generation zu ersetzen, da er in diversen Belangen weiterentwickelt wurde. Gerade Modelle höherer Preisklassen versprechen eine starke Qualitätssteigerung gegenüber dem „Alten“ daheim. Aber auch finanziell erscheint ein Beamer-Upgrade als besonders einschneidend, denn in den meisten Fällen ist der Projektor die preisintensivste Komponente und schlägt nicht selten mit mehreren Tausend Euros zu Buche.

Heimkino Upgrade: Beamer
LG Forte HU810PW

Doch muss es immer ein neuer Beamer sein, wenn man die Bildqualität im heimischen Wohnzimmerkino verbessern möchte? Oft wird von den Großbildfans eine andere wesentliche Komponente mit Einfluss auf die Bildqualität vergessen: Die Leinwand! Denn auch hier stand die Entwicklung nicht still und neue Modelle versprechen eine massive Verbesserung der Bildqualität, sogar bei nicht kompletter Abdunklung.

Heimkino Upgrade: Leinwand
Kontrastleinwand VnX Black Horizon BrightTV EdgeFree Tension

Ist die Verbesserung tatsächlich so groß, wie von den Herstellern versprochen? Kann eine neue Leinwand einen größeren Qualitätssprung ausmachen, als ein neuer Beamer? Kann der Käufer tatsächlich beim Upgrade sparen?

Wir zeigen die tatsächlichen Möglichkeiten in einem anschaulichen Beispiel:

Heimkino Upgrade: Epson
Wohnzimmer-Kino mit Epson TW9400 im Einsatz

„Bernd K.“ ist ein begeisterter Heimkinofan, der vor vier Jahren sein Wohnzimmerkino mit einem der bekanntesten Wohnzimmerallrounder am Markt einweihte: Der Epson TW9400 sorgt für ein ansprechendes Heimkinoerlebnis in allen Lebenslagen, denn kaum ein Beamer ist so auf die Wohnzimmeranwendung ausgelegt, wie Epsons langjähriges Flaggschiff. So ist Bernd K. auch im Grunde sehr zufrieden, doch nach einem Besuch bei einem Bekannten mit eigenem „Kellerkino“ hat er erkannt, dass die Zeit nicht stillsteht und aktuelle Top-Beamer mittlerweile hohe Helligkeiten mit einem hohen Kontrast verbinden, der sogar viele Großkinos in den Schatten stellt. Besonders angetan hat es ihm der Sony VPL-VW290, ein in Preis-/Leistung fast unschlagbarerer HighEnd Projektor.

Weiße Leinwand
Projektion mit viel Helligkeit aber mäßigem Kontrast

Über mangelnde Helligkeit kann sich Bernd nicht beschweren, denn bis heute gehört der TW9400 zu den hellsten Beamern, die man sich nach Hause holen kann. Auch mit dem Schwarzwert ist er eigentlich zufrieden, aber dennoch sehen viele Bilder leicht ausgewaschen aus, obwohl er für jeden Filmabend stets penibel abdunkelt und jede fremde Lichtquelle ausschließt.

Das sah bei seinem Kumpel mit eigenem Kino und Sony VPL-VW290 ganz anders aus: Hier zeigten alle Bildinhalte eine Plastizität, die er sonst nur von Fernsehern her kannte. Nachtszenen waren tiefdunkel und jedes Highlight setzte sich mit einem Kontrast ab, der wie „Echt“ aussah. Ein Blick in die einschlägigen Tests verrät ihm, warum:

Der Sony VPL-VW290 bietet einen nativen Kontrast im fünfstelligen Bereich (>10,000:1) in Kombination mit einem Inbild-Kontrast zwischen 400: und 8000:1, je nach Bildinhalt. Das sind Spitzenwerte, mit denen sein „Epson“ wohl nicht mithalten kann. Der Verdacht liegt nahe, dass der Sony VW290 auch bei ihm im Wohnzimmer den Durchbruch in Sachen Plastizität bringen würde. Und ganz nebenbei bietet der Sony ja auch die native 4K Auflösung und damit noch mehr Bildschärfe und Details, obwohl er in dieser Hinsicht auch mit dem TW9400 schon zufrieden war.

Doch trotz des tollen Preis-Leistungsverhältnis stellt ein Sony VW290 mit einem Kaufpreis von rund €5000,- eine massive Investition dar, die sich wirklich nur mit einem ebenfalls massiven Qualitätssprung rechtfertigen ließe.

Bernd will auf Nummer Sicher gehen und überredet seinen Bekannten, ihm den VW290 für einen Abend auszuleihen. Die Zeit drängt und direkt nach Sonnenuntergang wird der Sony schnell in Betrieb genommen, um mindestens zwei Filme in voller Länge und zu erwartender atemberaubender Plastizität zu genießen. Dafür hat er besonders kontraststarke Filme ausgesucht.

Projektion mit mäßigem Kontrast

Doch schon nach wenigen Minuten stellte sich Ernüchterung ein: Nicht nur war das Bild wieder leicht ausgewaschen und keinesfalls so plastisch wie beim Bekannten daheim, nein, es war auch noch deutlich dunkler, was sich im Wohnzimmer besonders bemerkbar macht. Lediglich komplett dunkle Weltraumszenen mit viel Schwarzanteil sehen besser aus, als mit dem Epson. Alle Einstellungen wurden überprüft, doch der Projektor war optimal konfiguriert. Was ist passiert? Transportschaden? Fehlerhafte Zuspielung? Nichts von alledem, wie die folgende Analyse zeigt:

Für die geringere Helligkeit reicht ein Blick in die technischen Daten: Während der Epson bis zu 2600 Lumen ausstrahlt, von denen bei korrekten Farben bis zu 1800 Lumen verbleiben, bietet der Sony VW290 brutto „nur“ 1500 Lumen, kalibriert ca. 1200 Lumen. Dies ergibt einen „Lichtverlust“ von gut 30%, was vom Auge natürlich nicht unbemerkt bleibt. Da der Bekannte den VW290 in einem eigenen Kinoraum mit dunklen Wänden betreibt, fiel Bernd das vorher nicht auf.

Doch was ist mit dem Kontrast? Hier müsste der Sony definitiv viel besser sein, liegt sein messtechnischer nativer Kontrast und der Inbildkontrast auf bis zu dreifachem Niveau vom Epson TW9400. Tut er in der Praxis auch, nur bleibt von diesem Inbildkontrast in Bernds Wohnzimmerkino nicht viel übrig.

Helligkeitsvergleich

EPSON EH-TW9400
SONY VPL-VW290

Das kontraststarke Bild des Sony VW290 erreicht die mattweiße Leinwand und wird von dieser in alle Richtungen reflektiert, wie es bei einer handelsüblichen Leinwand normal und richtig ist. Doch leider landet das reflektierte Bild nicht nur beim Zuschauer, sondern gelangt auch an Decke, Seitenwände und Boden. Da diese auch alle sehr hell sind, agieren sie ebenfalls wie Leinwände und reflektieren das Licht wieder zurück Richtung Leinwand.

Es entsteht eine Art „Lichtsmog“ der die dunklen Bereiche im Bild überstrahlt und es ausgewaschen aussehen lässt. Tatsächlich fällt der Inbildkontrast messtechnisch auf maximal 50:1, nur ein Bruchteil von dem, was der Sony, aber auch der Epson von sich aus bringen. Mit anderen Worten: Der Kontrast des Bildes wird gar nicht durch die Beamer, sondern durch das Wohnzimmer limitiert.

Bernd macht die Gegenprobe und bringt seinen Epson TW9400 in den dunklen Kinoraum seines Bekannten: Tatsächlich strahlt der Epson nun im vollen Glanz: Nicht nur wirkt er ungemein hell, sondern auch die Bildplastizität ist auf einmal „wie von einem anderen Stern“, allein im absoluten Schwarzwert und der Schärfe hat der Sony noch die Nase vorn. Bernd erkennt, dass sein Problem gar nicht der Beamer ist, sondern der Raum. Aber sein Wohnzimmer kann und will er nicht in eine schwarze Höhle verwandeln.

Kinoraum

Zunächst ist Bernd froh, dass ihn sein Selbsttest vor einem Fehlkauf bewahrt hat, aber jetzt wo er weiß, was bildtechnisch möglich ist, lässt ihm sein Problem nicht mehr in Ruhe, der „ausgewaschene“ Look stört ihn zunehmend. Schließlich entschließt er sich, einen Heimkino-Fachhändler vor Ort aufzusuchen.

Fachhandel

Dort schildert er dem Experten ausführlich sein Problem, der überraschend gelassen reagiert. Denn tatsächlich hat er einen Lösungsansatz, den er Bernd direkt vor Ort zeigen kann: In den wohnzimmerähnlichen Vorführräumen projiziert ein Epson TW9400 auf eine spezielle Wohnzimmer-Kontrastleinwand mit dem Namen EliteScreens „DayWalker“ und Bernd traut seinen Augen nicht. Das Bild des Epsons ist trotz der Wohnzimmerumgebung so kontraststark wie im schwarzen Raum, genau so wie er es haben wollte.

Wohnzimmer mit Kontrast-Leinwand

Helle Partien sind deutlich von dunklen abgetrennt, das Bild zeigt räumliche Tiefe, egal welches Material projiziert wird. Bernd ist sofort überzeugt und kauft die Kontrastleinwand direkt vor Ort. Nach wenigen Tagen hat er seine alte, weiße Leinwand mit der neuen ersetzt und das Ergebnis ist ein voller Erfolg: Endlich stellt sich die gewollte Bildplastizität ein und das ganz ohne weitere Raumoptimierungen oder gar einen neuen Beamer.

Und auch Geld wurde gespart, denn statt €5000.- für einen neuen Beamer schlägt die neue Leinwand nur mit €1500.- zu Buche. Ende gut, alles gut, Bernd hat noch einmal Glück gehabt, dass sein Bekannter ihn auf die richtige Fährte gebracht hat und der Fachhändler die richtige Lösung parat hatte.

Doch wie genau erreicht die Kontrastleinwand dieses beeindruckende Ergebnis? Das Prinzip ist dabei einfach wie genial: Eine Spezialbeschichtung des Tuches sorgt dafür, das schräg einfallendes Streulicht weitgehend reduziert (absorbiert) wird und lediglich das Licht aus Beamerrichtung vollständig zum Sitzplatz reflektiert wird.

Licht-Bündelung durch Kontrasttuch

Wie ein Parabolspiegel „bündelt“ die Leinwand das Licht Richtung Zuschauer, filtert Fremdlicht und sorgt mit einer grauen Grundfärbung für eine weitere Absenkung des Schwarzwertes. Dadurch wird der Sichtwinkeln zwar etwas eingeschränkt, reicht aber nach wie vor für normale Couch-Breiten in hiesigen Wohnzimmern aus.

Der Detaillierte Vergleich nach dem Heimkino Upgrade

Abschließend wollen wir noch einmal für alle interessierten die beiden Kombinationen „Kontrastleinwand + Epson TW9400“ und „Herkömmliche Leinwand + Sony VW290“ im normalen Wohnzimmer noch genauer gegenüber stellen inkl. aller Vor- und Nachteile.

Helligkeit

Wie bereits erwähnt bietet der Epson bei richtigen Farben rund 600 Lumen mehr Lichtleistung als der Sony VW290, was den eklatanten Unterschied bei Bernds Selbsttest mit der weißen Leinwand ausmachte. Da eine Kontrastleinwand licht filtert, reduziert sie in der Regel die Lichtleistung um rund 20%, so dass der Epson in der neuen Konstellation noch rund 1450 Lumen bietet, was durch den Kontrastgewinn aber kaum auffällt und noch immer 250 Lumen über dem Sony liegt.

Kontrast

Der Epson TW9400 bietet einen nativen Kontrast von rund 5000:1, mit Einsatz der dynamischen Blende erreicht er einen Dynamikumfang von ca. 18,000:1. Sein Inbildkontrast bewegt sich unter optimalen Bedingungen zwischen 400:1 und 3800:1, je nach Bildkonstellation. Die neue Kontrastleinwand „erhält“ davon zwischen 300:1 und 3000:1, was in einem Wohnzimmer beachtliche Werte sind. Der Sony bietet von sich aus zwar noch höhere Werte, kann diese aber mit einer weißen Leinwand nicht ausspielen, hier liegt der Inbildkontrast nur bei 50:1, also ein Bruchteil von dem möglichen oder Kombination mit der Kontrastleinwand.

Farben

Grundsätzlich gilt: Hochwertige Leinwände sind farbneutral und verändern die Farbkomposition des Beamers nicht. Dementsprechend gibt es keinen qualitativen Unterschied. Der Sonys VW290 verfügt über einen etwas größeren Farbraum als der TW9400, wovon UHD Premium Inhalte profitieren können.

Schärfe

Auch auf die Schärfe nimmt eine gute Leinwand keinen Einfluss, hier würde ein Umstieg auf den VW290 den größten Vorteil bringen, besonders in Verbindung mit der hochwertigen 4K/120Hz Zwischenbildberechnung für mehr Bewegungsschärfe

Sicherlich, in Verbindung mit einer Wohnzimmer-Kontrastleinwand würde der Sony VW290 neben dem Schärfevorteil auch noch mehr Kontrast und einen besseren Schwarzwert bieten, aber auch weniger Helligkeit. Bernd ist deshalb erstmal mit seinem Upgrade zufrieden und hat mit überschaubarem finanziellem Aufwand die Basis geschaffen, dass zukünftige Beamer-Upgrades wirklich zu einer Verbesserung der Bildqualität im Wohnzimmer führen, denn die Hochkontrastleinwand ist eine Anschaffung für das ganze Heimkino-Leben.

Und die Moral von der Geschicht? Allein ein Beamer-Upgrade bringt es nicht! Überzeugen Sie sich selbst in einem Heimkino Fachgeschäft vor Ort, hier sind Kontrastleinwände in allen Größen und Variationen stets vorführbereit.

19. Februar 2021

Ekki Schmitt